Handball: Einmal Abstiegskampf, immer Abstiegskampf scheint das Motto der TSG Haßloch. So grollt der Trainer. Ein Hoffnungsträger kehrt nach elend langer Pause zurück.

Von Jochen Willner

 
Hassloch. Der Überlebenskampf geht weiter. Auch zum Auftakt des neuen Jahres musste sich der Handball-Drittligist TSG Haßloch gegen den Tabellendritten HSG Rodgau Nieder-Roden mit 33:36 (15:23) geschlagen geben. Es war die Partie mit zwei Gesichtern, aber auch die Rückkehr eines Spielers, der im Kampf um den Klassenerhalt zur Schlüsselfigur werden könnte.

Die Worte waren deutlich. „Egal ob es ein Heimspiel oder auswärts ist, aber so darf man nicht auftreten. Das war indiskutabel. Da gibt es nichts schönzureden, es lag ganz klar an der Einstellung in der ersten Hälfte“, sagte Cheftrainer Philip Rogawaski, nachdem seine Sieben den erhofften erfolgreichen Auftakt ins neue Jahr verpasst hatte.

„Wir müssen auf uns schauen, nur das können wir ändern.“ In der Tat: Eine miserable erste Hälfte kostete den „Bären“ diesmal der Befreiungsschlag im Kampf um den Ligaverbleib. „Irgendwo waren die Spieler noch in Gedanken zwischen dem Weihnachtsbraten und den Neujahrsfeierlichkeiten“, grollte Rogawski.

Dabei ging es ja noch vielversprechend los, nachdem die Gastgeber nach einem 2:5 Rückstand (4.) mit einem Fünf-Eins-Lauf zum 7:6 (11.) gar die Wende schaffte. Es war nur eine Momentaufnahme. Die Defizite waren schnell aufgedeckt. Die Mannschaft wirkte in der Deckung viel zu passiv, dazu passte es auch, dass die beiden Torhüter Loic Modzinski und Florian Pfaffmann nicht die Hand an den Ball bekamen.

Die Gäste aus Rodgau zogen immer wieder mit Gegenstößen blitzschnell davon und erhöhten auch bis zum Pausentee ihren Vorsprung auf acht Tore zum 15:23. Es drohte ein Debakel. Aber der Weckruf in der Kabine, der diesmal lauter als sonst ausfiel, erzielte Wirkung. Die „Bären“ zeigten ab der 35. Minute ein ganz anderes Gesicht, auch zur Freude der 150 Zuschauer.

Nach dem 16:26 ging ein Ruck durch die Mannschaft und die Aufholjagd begann. Mit einem 8:1-Lauf verkürzte Haßloch zunächst auf 24:27 durch den überragenden Jakob Chrust, wenige Stunden vor seinem 21. Geburtstag. Der ältere der beiden Chrust-Brüder gilt als die Entdeckung der Saison. „Wenn wir nah dran waren, haben wir ein oder zwei technische Fehler gemacht, die uns zurückgeworfen haben“, sagte Chrust. „So etwas sollte uns nicht passieren“.

Es sind eben Nuancen, die den Unterschied ausmachen. Trotzdem keimte 20 Minuten vor dem Ende die Hoffnung auf eine Sensation. Spätestens als Loic Modzinski zwischen den Pfosten, der sich in der zweiten Hälfte deutlich steigerte, beim 26:29 einen Siebenmeter des US-Nationalspielers Sam Hoddersen mit dem linken Bein parierte und im Gegenzug Niklas Klein, mit acht Treffern ebenso wie Jakob Chrust der erfolgreichste Torschütze, zum 27:29 (47.) verkürzte.

Zu diesem Zeitpunkt waren die „Bären“ mit den „Baggerseepiraten“ auf Augenhöhe und es ging hin und her. Dazu war auch Kapitän Florian Kern im Gegenstoß und bei seinen Einläufern nicht zu bremsen. Haßloch witterte die Chance zum Ausgleich, die Halle stand hinter den Jungs, aber die weiteren Tore zur Wende blieben aus.

Der Erfolg der Gäste hatte auch einen Namen: Sam Hoddersen. Der US-Nationalspieler war auf dem linken Flügel nicht zu stoppen und kam am Ende sogar auf 22 Tore, davon zehn vom Siebenmeter-Strich. Das war Bestmarke und so führt er auch die Torjägerliste in der Staffel Südwest an. Positive Nachrichten gab es auch bei den „Bären“. Luis Maier feierte nach 18 Monate langer Verletzungspause und dem Wechsel zur TSG Haßloch sein Comeback, aber auch seine Premiere im TSG Trikot.

Schnell wurde deutlich, dass der Neuzugang im Abstiegskampf der Mannschaft helfen kann. Gleich bei seinem zweiten Wurf traf er und ließ auch in den wenigen Minuten Spielzeit zwei weitere Treffer folgen. „Ich habe mich gefreut, wieder auf dem Platz stehen zu dürfen. Es hat nach so einer langen Pause wieder Spaß gemacht. Ich hoffe und möchte der Mannschaft helfen. Ärgerlich ist heute, dass wir die Punkte nicht geholt haben“.

Aber der Glaube, die Abstiegsränge bald verlassen zu können, ist (noch) spürbar. „Es liegt in unserer Hand, ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen können“, so Maier. „Die nächsten drei Spiele werden entscheiden, wohin die Reise geht“, bringt es Jakob Chrust auf den Punkt. Am nächsten Sonntag geht es zur MT Melsungen II, dann empfangen die „Bären“ TuS Opladen, ehe es zum TV Homburg, dem Tabellenletzten geht. Die Wochen der Wahrheit stehen an …

 

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz Mittelhaardter Rundschau – Nr. 9
Datum Montag, den 12. Januar 2026
Seite 18