1975 – 76

1975: Deutscher Meister im Feldhandball……..

Handball-Titel für „David“ TSG Haßloch

„Goliath“ TuS Nettelstedt im Endspiel mit 15:14 besiegt

Genau vier Sekunden vor Spielende fiel die Entscheidung im vielleicht letzten deutschen Endspiel des Feldhandballs: Karl-Heinz Hubach war herrlich freigespielt worden und der Brillenträger erzielte sein zweites Tor – es war das 15. für die TSG Haßloch in dieser Hitzeschlacht und bedeutete zugleich Sieg und Titelgewinn für die Pfälzer – der „David“ aus Haßloch hatte den „Goliath“ TuS Nettelstedt bei 40 Grad Celsius sensationell bezwungen.
Niemand hatte den Haßlochern ernsthaft eine Chance zugebilligt: Der unbekannte Außenseiter aus der Pfalz sollte gegen das Star-Ensemble von Lübbecke um Rekordnationalspieler Herbert Lübking höchstens die Niederlage in Grenzen halten. Schließlich wiesen allein vier TuS-Nationalspieler zusammen 340 Länderspiele auf! Was also sollte schon geschehen …?
Und in den ersten zehn Minuten schien es zu kommen, wie zuvor vermutet: Nettelstedt führte 5:1 und 7:3. Alles klar! Doch Trainer Franz Hutter hatte an seine Spieler die Losung ausgegeben – Ruhe bewahren, diszipliniert spielen und den Gegner bei der Gluthitze austoben lassen! Tatsächlich machte sich dann immer mehr der Altersunterschied (29:25) bemerkbar – die jungen Haßlocher kamen mit den Verhältnissen besser zurecht und holten Tor um Tor auf bis zum Halbzeitstand von 8:7 für Nettelstedt. Nach der Pause aber lagen die „Stars“ plötzlich mit 12:14 zurück, bäumten sich noch einmal auf, ehe dann Hubach noch der Siegtreffer gelang.

(Bild: Meister seines Fachs: TSG-Torhüter Boos)

Es war ein kämpferisch und spielerisch ausgezeichnetes Spiel, eigentlich eine Werbung für den heftig um eine Existenz ringenden Feldhandball. Bei Nettelstedt fehlte allerdings die geschlossene Mannschaftsleistung, die verloren ging, weil Franz Hutter seinen „Schutzmann“ Peter Frisch als Sonderbewacher für Herbert Lübking abkommandiert hatte. Frisch legte seinem berühmten Gegner so feste „Handschellen“ an, das Lübking nur zu einem Treffer kam, das Spiel seiner Gruppe nicht mehr gestalten konnte und schließlich sogar so nervös wurde, daß er bei einem Vierzehnmeter-Wurf an TSG Torhüter Boos scheiterte. Das wäre Lübking sonst nicht passiert.
Überragend bei Nettelstedt der Jugoslawe Lazarevic, der nicht immer unter Kontrolle gehalten wurde und sechs Tore erzielte.

Unglaubliche Nervenstärke

Aber davon waren die Haßlocher nicht zu beeindrucken, sie zeigten wieder eine schier unglaubliche Nervenstärke und einen Zusammenhang, an dem die Gegner schließlich zerschellten. Torhüter Boos war der Rückhalt seiner Mannschaft, die ihre Gleichmäßigkeit dadurch auch unterstrich, daß sich in der Torschützenliste nicht weniger als acht Spieler eintrugen (bei Nettelstedt nur fünf).
Einer aber verdiente besondere Erwähnung: Gundolf Porr, das 22jährige Talent, das allen Stars von Nettelstedt die Schau stahl und mit vier Treffern auch erfolgreichster Werfer des neuen Meisters war.

TSG Haßloch: Boos, Bachofner (1), Leidig, Unruh, Stahler (1), Leibl (2), Frisch (2), Würth (2), Porr (4), Hubach (2), Janz, Schüle (1).
TuS Nettelstedt: Möhle, Selle, Gosewinkel (2), Nottmeier, Hucke, Heuer, Rubin, Glombeck, Lübking (1), Schulenburg (4), Falkenthal, Lazarevic (6), Schnepel, Möller (1).
Schiedsrichter: Reimer (Hamburg)
Zuschauer: 6.000


Perrey: Porr in Nationalmannschaft
Spieler der TSG Haßloch konnten Titelgewinn nicht fassen

Wortlos überglücklich Nach dem Schlußpfiff fielen sie sich in die Arme – überglücklich! Aber zu Jubelrufen und Freudengeschrei waren sie nicht mehr in der Lage – sie waren total erschöpft! Die Mannschaft der TSG Haßloch war soeben Deutscher Meister im Feldhandball geworden – vielleicht der letzte Titelträger. Doch darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, denn in Deutschland und in der Schweiz rühren sich plötzlich Interessentengruppen, die zur Aktion „Rettet den Feldhandball“ in Europa aufrufen wollen. Wer dieses Finale in Lübbecke erlebte, seine spielerischen Höhepunkte sah und in diesem packenden Kampf mitfieberte – der müßte wirklich bedauern, wenn dieses schöne Spiel untergehen sollte.
Die TSG Haßloch, trotz FA Göppingen oder VfL Gummersbach noch immer der am weitest gereiste deutsche Handball-Verein (er spielte in Island ebenso wie in Südamerika oder Afrika), hatte in früheren Jahren mehrfach an der Endrunde teilgenommen, nie aber das Endspiel erreicht. Jetzt wurde sie, kaum wieder aufgestiegen, Deutscher Meister.

Große Tradition

Es ist nicht so, daß die Pfalz keine Tradition im Feldhandball hat: Ludwigshafener Turner machten schon in den zwanziger Jahren von sich reden – und damals wurde die TG Friesenheim deutscher Handball-Meister im Turnerbund. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte die TSG Haßloch eine erste große Zeit (Marneth, Stahler, Ruff oder Scheurer – um ein paar Namen zu nennen – hießen damals die überragenden Spieler dieser Mannschaft). Dann wurde die TSG vom TV Hochdorf abgelöst – und ein Spieler dieses Vereins ist nunmehr auch der Trainer des neuen deutschen Meisters – Franz Hutter (Bild).

 

Höhenflug gestoppt

Alle Spieler der TSG, einschließlich Trainer, der übrigens in ein paar Tagen 37 Jahre alt wird, begriffen gar nicht so richtig, wie ihnen geschah. Sie schüttelten sich immer nur wieder wortlos die Hand, klopften sich auf die Schultern. Selbst beim anschließenden Bankett im Kurhaus herrschte zunächst fast unheimliches Schweigen: Die Haßlocher saßen gedankenverloren in der Runde, guckten nur glücklich aus den Augen. Und daneben, sehr bedrückt, die Stars von Nettelstedt. Für sie war es ein „Begräbnis“ erster Klasse, sozusagen auf eigenem Platz. Denn: Dieses Endspiel, ein absolutes Novum, fand auf dem Gelände statt, auf dem Nettelstedt alle Heimspiele in der Punkterunde bestritt. Ausgerechnet hier wurde ihr Höhenflug gestoppt.
Das Freibier, gestiftet von einem Handball-Anhänger Nettelstedts, wurde trotzdem ausgeschenkt. Allerdings schmeckte es vielen Zuschauern nicht mehr so recht. Aber 300 Haßlocher Schlachtenbummler stießen kräftig an – für sie gab es noch lange Grund zum Feiern. Haßlochs Bürgermeister Flockert strahlte über das ganze Gesicht: „Ein stiller Wunschtraum wurde Wirklichkeit!“ Er verließ als erster wieder Lübbecke, er hatte es eilig, nach Hause zu kommen. Er mußte den Empfang vorbereiten, den Haßloch gestern abend noch, so zwischen 22 und 23 Uhr, ihren Spielern bereitete. Haßlochs längste Nacht …
Einer, der ebenfalls früh aufbrach, war Siegfried Perrey, der dem Handball im allgemeinen, der TSG aber im besonderen verbunden ist: „Ein Superspiel der TSG-Mannschaft, alle Spieler große Klasse. Und wer nicht sah, daß dieser Gundolf Porr absolut reif ist für die deutsche Nationalmannschaft, der hat nicht nur eine Binde vor den Augen, sondern auch ein Brett vor dem Kopf.“ So drastisch-plastisch drückte sich „Mr. Olympia“ aus.

(Bild: Der „Bomber“ traf auch im Endspiel. Gundolf Porr jagte den Ball viermal ins Nettelstedter Gehäuse.)

 


Um 12 Uhr mittags war die Sensation perfekt …

TSG wurde Deutscher Meister

Ganz interessiert lasen die Haßlocher Spieler in Lübbecke zunächst einmal in den dortigen Zeitungen, wie sehr sie Außenseiter sind und was für geringe Titelchancen sie haben. Die dortigen Fachleute waren sich – wie ja auch die hiesigen – im klaren, daß schon einiges geschehen müßte, wenn die TSG tatsächlich Deutscher Meister im Feldhandball werden sollte. Und es geschah einiges …
Natürlich waren auch die Außenseiter Ziel von vielen Kameras – unser Bild zeigt einen „Schnitt“ am Samstag, als die TSG-Mannschaft das Spielfeld im städtischen Stadion von Lübbecke besichtigte. Im ersten Augenblick, so schilderten verschiedene Spieler den Eindruck, den sie von diesem Rasen hatten, war man erschüttert über die Mängel, die man hier feststellen mußte …
Lautstark und mutig – immerhin stand man mit der Meinung, daß die TSG doch Deutscher Meister werden würde, ziemlich allein auf weiter Flur – zogen diese Haßlocher Fans eine Ehrenrunde vor Spielbeginn um den Platz, auf dem wenig später die TSG gegen den hohen Favoriten TuS Nettelstedt den Titel des (vielleicht letzten) Deutschen Feldhandball-Meisters holte …
Zu diesem Zeitpunkt waren die Rollen noch ein wenig anders verteilt als dann nach Abpfiff: Herbert Lübking, Mannschaftskapitän von Nettelstedt, gibt sich gegenüber dem Haßlocher Kapitän Hubach noch recht lässig. Doch bald sollte sich das Blatt wenden – und Lübking sollte so nervös werden, daß er sogar einen Strafwurf verschoß, bei dem Rekordnationalspieler fast sensationell.
Toooor, Toooor … Die Haßlocher haben wieder „zugeschlagen“. Und die zahlreichen Fans, die nach Lübbecke zum Endspiel um die deutsche Feldhandball-Meisterschaft gefahren sind, waren hellauf begeistert. Es sollte sich zeigen, daß das Vertrauen, das sie in „ihre“ Mannschaft setzten, gerechtfertigt war. Und die Begeisterung war riesengroß, bei jedem der 15 Tore …
Eigentlich war es doch recht kühn von den Haßlochern, so ein Transparent zu entfalten. Allerdings war hier keine Siegesprognose gestellt – im Gegensatz zu zahlreichen „einheimischen“ Fahnen, auf denen Nettelstedt schon als klarer Deutscher Meister prognostiziert wurde. Auf diesem Plakat wollte man die Haßlocher nur Grüßen …
Begeistert reißen die Haßlocher Schlachtenbummler die Arme hoch: „Ihre“ TSG hat wieder ein Tor geschossen – und befindet sich völlig überraschend für alle Experten auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft im Feldhandball. Das hätten sich die Zuschauer aus dem Großdorf, die die weite Reise in den Norden nicht gescheut hatten, nicht träumen lassen …
Noch Sekunden sind zu spielen – Trainer Hutter hält es nicht mehr: Er steht auf dem Sprung, denn jeden Augenblick muß der Pfiff kommen. Und die TSG führt, knapp, mit einem Tor …
Ein Aufschrei ging durch die Reihen der Haßlocher Fans, als der Schiedsrichter die Begegnung um die deutsche Meisterschaft im Feldhandball abpfiff. Die Haßlocher waren Deutsche Meister geworden – und die Fans stürmten das Spielfeld.
Fast erdrückt wurden die Spieler der TSG nach dem Schlußpfiff, als die Haßlocher aufs Spielfeld stürmten und „Ihre“ frischgebackenen Deutschen Meister auch beglückwünschen wollten. Die Begeisterung der Schlachtenbummler, die in der Nacht von Haßloch aus losgefahren sind, um bei diesem Anblick dabei zu sein, war natürlich riesengroß, als sich die Hoffnung erfüllt hatte …
Bewegt begrüßte TSG-Vorsitzender Ludwig Gramlich die frisch gebackenen Deutschen Meister in der Jahnhalle, wo sich eine vielköpfige Menge eingefunden hatte, als die Mannschaft aus Lübbecke eintraf.
Kopf an Kopf standen die Fans der TSG-Handballmannschaft in der Jahnhalle, als die Siegreichen aus Lübbecke eintrafen. Abteilungsleiter Bittlinger gab dann einen det

 


 

1975: A-Jugend Pfalzmeister im Hallenhandball

 

 

1975/76: A-Jugend Pfalzmeister im Hallenhandball

Hinten von links: Trainer Gerhard Schlafmann, Alwin Heiberger, Harald „Hutch“ Deege, Joachim Schmitt, Uwe Schmidt, Raimund Porr, Bernhard Wahl und Jugendleiter Werner Schulz.
Vorne von links: Norbert Heidinger, Wolfgang Schneider, Joachim „Jockel“ Benz, Rolf Köbler und Schäfer Peter.